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Positionen der DPSG Diözesanverband Speyer zur Kooperationen mit
Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz
Präambel
Die DPSG DV Speyer setzt sich als Anwalt für Kinder und Jugendliche im Bereich
Bildung und Erziehung für Chancengleichheit ein. Dazu gehören unseres Erachtens
neben bildungspolitische auch familienpolitische Reformen, z.B. eine Verbesserung der
KiTa-Förderung, eine bedarfsgerechte Einrichtung und politische Unterstützung von
Betriebs-KiTas, Ausweitung und Förderung von Teilzeitarbeit, ein tragfähiges Konzept
zur Zahlung von Kinder- und Erziehungsgeld, ein erleichterter Wiedereinstieg in den
Beruf nach der Erziehungszeit.
Ein Baustein dieser Reformen ist die Einführung der Ganztagsschule, mit der wir als
Diözesanverband kooperieren und sie kritisch-konstruktiv und konzeptionell begleiten.
Wir sehen hier die Chance, Mitstreiter bei der Entwicklung einer Schule zu sein, die den
heutigen Bedürfnissen von Kindern, Jugendlichen und den Anforderungen, die die
Gesellschaft an sie stellt gerecht wird.
Chancen und Risiken der Kooperation mit Ganztagsschulen
Chancen:
Einbringen unserer spezifischen Kompetenzen:
Kinder und Jugendliche sollen in der Schule durch Freude und Erfahrung lernen. Die
Angebote der DPSG DV Speyer bieten ihnen dazu die Möglichkeit.
Wir profilieren uns als eigenständigen Träger außerschulischer Bildungsarbeit durch
das Einbringen unserer eigenen Kompetenzen und Qualitäten, z.B. im Bereich
Persönlichkeitsbildung, Methodenkompetenz, Sozialraumanalyse, Sozialkompetenz,
Problemlösekompetenz, Gruppendynamik.
Die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen kann in die Schule eingebracht werden
und zum Gegenstand von selbstbestimmten Lernprozessen werden.
Die Konfrontation in der Gruppe mit scheinbar unüberwindlichen Hindernissen im
Rahmen von erlebnispädagogischen Übungen fördert Kooperation und
Zusammenarbeit und regt an zu kreativen Denkprozessen abseits der Schulbücher und
macht dabei auch noch Spaß.
Wir machen fit für den ganz normalen Wahnsinn Leben und fördern die Alltags- und
Konfliktlösekompetenzen der SchülerInnen.
Schule kreativ mitgestalten:
Die Mitarbeit in der Ganztagsschule bietet der DPSG DV Speyer die Möglichkeit im
Entwicklungsprozeß der Ganztagsschule konzeptionell mitzuwirken, da wir uns durch
gelungene Angebote und schlüssige Konzeptionen als ernstzunehmenden
Kooperationspartner zeigen.
Ganzheitliche Bildung:
Inhalte und Methoden der DPSG DV Speyer bieten Kindern und Jugendlichen die
Möglichkeit ihre Anlagen und Talenten über den intellektuellen und kognitiven Rahmen
hinaus entsprechend zu entwickeln, indem wir Herz, Kopf und Hand ("learning by
doing") ansprechen und fördern. Wir erweitern und komplettieren damit die derzeitigen
Zielsetzungen und Inhalte schulischer Bildung.
Gesellschaftspolitisch Einmischen und Signale setzen:
Wir zeigen uns in Politik, Kirche und Gesellschaft als kompetenten, innovationsfähigen
Gesprächspartner, indem wir gesellschaftspolitische Veränderungen wahrnehmen und
unsere Strukturen und Inhalte daran anpassen.
Werbung und Präsentation:
Die Ganztagsschule bietet die Möglichkeit, pfadfinderische Werte und
Grundeinstellungen zu präsentieren und bekannt zu machen. Kinder, Jugendliche und
Eltern können durch positive Erfahrungen mit dem Pfadfindersein ein Interesse an der
Arbeit der DPSG DV Speyer entwickeln.
Zudem entwickelt sich ein positives Bild über Pfadfinderei im allgemeinen und ein
Unterstützerkreis kann für Gruppen vor Ort entstehen.
Risiken:
Es besteht die Gefahr, dass die Jugendarbeit nicht als gleichwertiger
Kooperationspartner ("gleiche Augenhöhe") betrachtet, sondern zum Erfüllungsgehilfen
von Schule degradiert wird.
Verbandliche Prinzipien wie Freiwilligkeit, Partizipation, altersstufenorientierung können
mißachtet werden.
Durch die feste Einbindung in den reglementierten Schulbetrieb kann es zu einer
Nachrangigkeit des Verbandsprofiles in den Projekten kommen. Zusätzlich kann die
verbandliche Selbstbestimmung durch Direktiven der Schule eingeschränkt werden.
Es besteht die Möglichkeit, dass durch die Kooperation mit der Ganztagsschule sowohl
ehren- als auch hauptamtliche Ressourcen gebunden werden, die dann der regulären
Verbandsarbeit nicht mehr zur Verfügung stehen.
Mangelnde Ausbildung, persönliche Überschätzung eigener Fähigkeiten, das Fehlen
einer angemessenen pädagogischen Begleitung und die Fehleinschätzung des Klientels
können zu einer Überforderung der Projektleitungen führen.
Standards im Hinblick auf die Schule
Es ist darauf zu achten, dass die Projektleitungen in den Schulbetrieb integriert werden
und nicht isoliert vom restlichen Geschehen arbeiten. Die Schule sollte die punktuelle
Teilnahme der Projektleitungen an der Lehrerkonferenz ermöglichen und ein Treffen der
Projektleitungen organisieren, welches den Austausch der Projektleitungen
untereinander und mit den Verantwortlichen der Schule ermöglicht.
Vor einer Kooperation soll das Konzept der Schule für den Ganztagsbetrieb kritisch
geprüft werden. Auf folgende Aspekte ist dabei besonders zu achten:
- Wird das Konzept den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler gerecht? Gibt
es ausreichend Pausen, Zeiten ohne Aufsicht und Möglichkeiten für Bewegung und
Sport?
- Wie sieht das außerunterrichtliche Angebot aus? Haben die Schülerinnen und
Schüler eine echte Wahl zwischen verschiedenen Angeboten oder werden sie Projekten
zugeteilt?
Sollte die Schule nicht bereit sein, diese Punkte mit den Projektleitungen zu klären, ist
von einer Kooperation abzuraten. Durch eine schlechte Konzeption kann die Arbeit in
den Projekten sehr erschwert werden, da die Schülerinnen und Schüler dann schon mit
viel Frust in das Angebot kommen.
Rahmenbedingungen für Projekte der DPSG DV Speyer
Projekte in Trägerschaft der DPSG DV Speyer sollen sich an den folgenden
Rahmenbedingungen orientieren.
Träger und Projektleitungen verständigen sich auf die inhaltliche Ausgestaltung des
Projektes.
Die Projekte sollen eine Laufzeit von einem Schuljahr haben.
Der zeitliche Umfang des Angebotes im wöchentlichen Schulbetrieb soll mindestens 90
Minuten betragen.
Der Projektleitung muß ein angemessener Rahmen zur Präsentation ihres Angebotes
geboten werden.
Die Zusammensetzung der Projektgruppe bezüglich Gruppengröße, alter und
Geschlecht bestimmen sich nach dem Inhalt des Angebotes und müssen von der
Schule respektiert werden.
Änderungen in der Gruppenzusammensetzung sollen unter Berücksichtigung
gruppendynamischer Prozesse möglichst vermieden werden.
Das Gesamtangebot der Schule soll inhaltlich vielfältig sein. Die Schüler müssen aus
dem Gesamtangebot der Ganztagsschule selbständig wählen können und die
getroffene Wahl soll nach Möglichkeit vollständig realisiert werden. Ist dies aus
organisatorischen Gründen, z.B. begrenzte Kapazität des Angebotes nicht möglich,
dürfen die Schüler nicht ohne Rücksprache einem anderen Angebot zugewiesen
werden, sondern sollen an einem erneuten Entscheidungsprozeß partizipieren können.
Die Wünsche und Bedürfnisse der Gruppenteilnehmer sollen im Rahmen des Projektes
berücksichtig und integriert werden.
Damit sehen wir die Verbandsgrundsätze Freiwilligkeit und Partizipation verwirklicht.
Anbindung an den Verband:
Die DPSG DV Speyer bevorzugt Projekte, die an bestehende örtliche Gruppierungen
anknüpfen können. Optimal wäre es, wenn die Projektleitung Mitglied der Leiterrunde
vor Ort ist.
Ist dies nicht möglich, soll die Projektleitung in Kontakt mit der Leiterrunde stehen und
mögliche Kooperationen ins Auge fassen.
Projektleitungen:
Die Diözesanleitung beruft nach ihrem Ermessen geeignete LeiterInnen in einen
diözesanen Teamerpool. Diese werden nach ihren Fähigkeiten und nach Wunsch auf
die Projekte verteilt.
Zu den Grundsätzen der DPSG gehören das Arbeiten im Team und der Wechsel von
Groß- und Kleingruppe. Um dies im Schulbetrieb angemessen verwirklichen zu können,
soll die Projektleitung aus mindestens zwei LeiterInnen bestehen.
Vorbereitend oder begleitend werden die Projektleitungen für ihre Aufgabe
entsprechend geschult. Spezielle Schulungen für die Arbeit an Ganztagsschulen
werden nicht von der DPSG DV Speyer angeboten, es werden bereits bestehende
Angebote genutzt (SPFZ, IFB, BDKJ).
Den Projektleitungen werden über die gesamte Dauer des Projektes hauptamtliche
Kräfte zur Begleitung und Beratung zur Seite gestellt.
Erfahrene Projektleiter begleiten im Rahmen eines Mentorenprogramms neue
Projektleitungen.
Die oben aufgeführten Rahmenbedingungen und Positionen sind für alle Projekte, die
unter der Trägerschaft der DPSG DV Speyer laufen, bindend.
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