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Referat WELTKIRCHE - was ist das?? Interview mit Christoph Fuhrbach

Während der letzten Begegnungsreise haben wir - die deutsch-bolivianische Reisegruppe- uns mit Christoph Fuhrbach vom Referat Weltkirche im Bistum Speyer getroffen. Neben spannenden Berichten von Christoph fand ein reger Austausch  zu diversen (weltkirchlichen) Themen, die Tarija bzw. Bolivien und  Speyer/ verbinden, statt. Deswegen wollen wir euch sowie den Bolivianern das Referat WELTKRICHE näher bringen und haben  Christoph aktuell interviewt. Wir haben ihn zu seiner Arbeit, der Weltkirche und seinem Hobby FAHRRAD befragt und wollen euch heute seine Antworten vorstellen. 

 

Frage 1: Christoph, was genau ist das Thema/die Aufgabe des Referats "WELTKIRCHE"? Und was genau ist dein Job?

Referate Weltkirche gibt es in Deutschland in Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), bei dem das Bewusstsein für unsere eine, weltweite Kirche deutlich gewachsen ist. Meine Kernaufgabe ist es von daher, den Menschen im Bistum Speyer bewusst zu machen, dass unsere Weltkirche aus etwa 3000 Diözesen besteht - und wir eben nur eine davon sind. Und diese 3000 Diözesen haben ja auch wieder ihre Beziehungen: zu anderen Konfessionen und Religionen, zur Gesellschaft und Welt. Das Referat Weltkirche ist von daher so etwas wie das Fenster zur Welt. Weltkirche ist auch sehr spannend: im Austausch mit Christinnen und Christen aus anderen Weltregionen erleben wir, wie vielfältig wir in der Einheit unserer Weltkirche sind. Diese Vielfalt kann uns sehr bereichern, wir können von- und miteinander lernen. Wichtig ist auch das Gebet für- und miteinander sowie die gegenseitige Solidarität, auch im Materiellen. Diese vielen Facetten unserer Weltkirche und unserer EINEN Welt darf ich im Bistum Speyer verbreiten.

 

Woran arbeitest du aktuell? Gibt es ein besonderes Thema?

 

Für mich persönlich gibt es seit einer Weile ein ganz großes Thema: wir Menschen leben im sogenannten Anthropozän. Das Anthropozän ist ein neues Erdzeitalter. Anthropozän bedeutet in etwa das vom Menschen gemachte Erdzeitalter. Es löst das Holozän ab, das der Menschheit in den letzten ca. 12000 Jahren gute Bedingungen zum Leben ermöglicht hat. Diese guten Lebensbedingungen haben wir Menschen in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten (v.a. seit etwa 1950) überstrapaziert und dadurch schon ein Stück weit zerstört.

Die Menschen im globalen Süden leiden besonders unter diesem Lebensstil vieler Menschen im globalen Norden, z.B. durch den Klimawandel. Darüber hinaus gibt es viele weitere große globale Probleme im Anthropozän wie z.B. ein bereits eingesetztes massenhaftes Artensterben, ein sehr stark aus dem Gleichgewicht geratener Stickstoffkreislauf (durch zu viel Dünger in der Landwirtschaft). Die führenden WissenschaftlerInnen sagen uns, dass wir als Menschheit noch zwei Generationen Zeit haben, um komplett um zu steuern, um wirklich nachhaltig zu leben.

Um wieder in einen Einklang mit unserer Mutter Erde zu gelangen. Ich sehe darin DIE Zukunftsaufgabe für uns Menschheit. Wir können diese Aufgabe nur gemeinsam - alle Menschen zusammen - bewältigen.

 

Als unsere bolivianischen Pfadfinderfreunde aus Tarija zu Besuch in der Diözese waren, hast du uns berichtet, dass du viel mit dem Fahrrad
unterwegs bist und dies teilweise auch mit deiner Arbeit verknüpfst. Welche Rolle spielt das Fahrrad in deinem Leben? Und in welchen Zusammenhang bringst du Arbeit und Fahrrad?

Das Rad hat für mich tatsächlich eine große Bedeutung erlangt. Dies liegt unter anderem daran, dass ich schon vor 20 Jahren mit meinem Rad einmal um unsere wunderbare Erde radeln durfte - damals habe ich innerhalb von einem Jahr auf diese Art viele verschiedene Kulturen und Menschen kennen lernen dürfen.

Das Rad ist für mich als Ausdauersportler auch Sportgerät und im Alltag eine große Hilfe, mich klimaneutral von einem zu einem anderen Ort zu bewegen. So brauche ich auch kein Auto. Das Rad ist Teil meines Lebensstils, den ich aufgrund großen globalen Herausforderungen möglichst zukunftsfähig gestalten möchte. Auf Reisen bietet es mir darüber hinaus eine wunderbare Möglichkeit, in direkten Austausch mit der heimischen Bevölkerung zu kommen, allein schon wenn ich mich nach meinem Weg oder nach Lebensmittel oder einer Möglichkeit zum übernachten erkundige.

 

Hast du in deinem Arbeitsfeld aktuell Verknüpfungspunkte mit Bolivien?

Dazu fallen mir ein paar kleine Punkte ein: meine KollegInnen von den Bistümern Trier und Hildesheim haben jeweils eine intensive Partnerschaft zur Kirche in Bolivien, davon bekomme ich immer mal wieder erzählt. In Independencia bei Cochabamba arbeitet ein mir guter Bekannter, Jorge Aquino, in einem Kulturzentrum, das auf mich einen sehr guten Eindruck macht. Dort wird versucht, gerade den einfachen Leuten zu helfen, dass sie Bildung erlangen, handwerkliche Fertigkeiten erlernen und auch ihre musischen Begabungen entdecken können. Fasziniert bin ich auch von der auch aus dem heutigen Bolivien kommenden indigenen Idee des "Buen vivir" (~ Gutes Leben). Dieses Buen vivir bietet meines Erachtens gute Anknüpfungspunkte, um die großen Herausforderungen im Anthropozän entschieden und zugleich mit Zuversicht angehen zu können.

 

Ihr habt dazu Fragen/Anregungen? Her damit: vamos@bistum-speyer.de  :)

 

Tanja für den AK VAMOS

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 09. April 2019 10:31
 
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